Kinderhausalltag

  

 

Kochtag
Einmal pro Woche (im Sommer alle zwei Wochen) haben wir Kochtag. Die Kinder und Erzieher kochen und essen an einer schön eingedeckten Tafel gemeinsam im Kinderhaus. Seit einigen Jahren sind wir hierbei fast vollständig auf Biokost umgestiegen. Für den Einkauf wird pro Kind und Kinderhausjahr ein Beitrag in Höhe von rund 50 Euro erhoben. Zudem zahlt jedes Kind für seine Zeit im Kinderhaus einmalig 25 Euro Geschirrgeld.

Montessori-Pädagogik im Kinderhaus bedeutet...

Vorbereitete Umgebung
Da jedes Kind einen "Inneren Bauplan" besitzt, der seine Entwicklung leitet, bedarf es einer "vorbereiteten Umgebung". In dieser wird dem Kind das notwendige Material zur Verfügung gestellt. Vorbereitet ist nicht nur der Raum (struktureller Aspekt), sondern auch das Material sowie die Erzieher (personeller Aspekt).

Den Ausspruch eines Kindes "Hilf mir, es selbst zu tun", machte Maria Montessori zum Leitsatz ihrer Pädagogik. Das autodidaktische Montessori-Material berücksichtigt die individuellen Bedürfnisse der Kinder und ermöglicht ihnen ein selbsttätiges Lernen gemäß seinen Entwicklungsgesetzen. Durch die eingebaute Fehlerkontrolle wird es unabhängiger vom Erwachsenen und somit selbstständiger.
Der Erwachsene ist Partner, Freund und Begleiter des Kindes. Er erklärt den Gebrauch des Materials, beobachtet die Arbeit des Kindes und gibt bei Bedarf Hilfestellung.

Die Materialien
Das Montessori-Sinnesmaterial entspricht in seiner Klarheit, Strukturiertheit und Sachlogik den sensitiven Entwicklungsphasen des Kindes. Denn kleine Kinder haben eine sensible Phase für Sinneseindrücke, wollen ihre Bedürfnisse mit ihren Sinnen stillen (lauschen, fühlen, schmecken...)
In ihrer sensiblen Phase für Ordnung beispielsweise wollen Kinder in ihrer äußeren Umgebung alles an ihrem Platz stehen haben und gleichzeitig haben die Kinder das Bestreben, den inneren Eindrücken einen Platz zuzuweisen. Das von Montessori entwickelte Sinnesmaterial ist in erster Linie als Entwicklungsmaterial und nicht als Lernmaterial zu verstehen. Die verschiedenen Materialien schulen die verschiedenen Sinne (z. B. den Gehörsinn, den Tastsinn) und sie bilden indirekt den mathematischen Geist, bereiten auf mathematische Begriffe (Gleichheiten, Geometrie, ...) vor. Diese Sachverhalte werden den Kindern nicht erklärt, sie erfahren sie in ihrem Tun.

Auch die Übungen des täglichen Lebens und die Materialien, die Mathematik, Lesen, Schreiben und Kosmische Erziehung betreffen, kommen sensitiven Phasen entgegen. Die günstigen Lernzeiten für bestimmte Tätigkeiten, Fähigkeiten, Haltungen und Einstellungen können im Kinderhaus mit Hilfe des Entwicklungsmaterials optimal genutzt werden. Das Material hat einen starken Aufforderungscharakter. Das Kind entwickelt so Neugier und Interesse an der Sache. Dabei kommt es weniger auf das Ergebnis an, sondern auf die Befriedigung der inneren Bedürfnisse des Kindes. Das TUN steht im Vordergrund.

Freiarbeit
Das Kind wählt seine Übungen aus eigenem Antrieb frei aus und bestimmt sein Arbeitstempo selbst. Es führt jede Übung, die es begonnen hat, auch zu Ende. Das Kind bestimmt jedoch auch den Ort, an dem es arbeiten möchte, selbst. Auch die Arbeitsform steht den Kindern frei (allein, mit Partner, in der Gruppe).

In unserem Kinderhaus können sich die Kinder im großen Gruppenraum aufhalten. Dort gibt es eine Bauecke, eine Puppenecke (mit Verkleidungsmöglichkeiten) sowie eine Leseecke. In unserer Küche wird gegessen, gekocht und ebenfalls gearbeitet... Die Kinder können sich selbst täglich Brötchen backen oder eine Suppe kochen. Die Kinder können zudem jederzeit in den Garten gehen. Dort stehen zwei Hüttchen: Im gelben befinden sich Fahrzeuge, Sandelsachen und vieles mehr. Im roten Hüttchen haben ein paar Väter unseres "Bauauschusses" den Kindern eine eigene Werkstatt eingerichtet. Dort kann gesägt, gehämmert und mit Holz gearbeitet werden. Der Kreativität sind auch in unserem Atelier keine Grenzen gesetzt. Hier können die Kinder basteln und malen.

Nach der Freiarbeit findet einmal am Tag ein gemeinsamer Stuhlkreis statt: Hier besprechen die Kinder und das Erzieherteam gemeinsam alle möglichen Dinge und erzählen von ihren Erlebnissen. Sie entscheiden im Stuhlkreis beispielsweise, was gekocht werden soll, feiern Geburtstage, spielen Spiele, lernen den Jahreskreis und musizieren und singen gemeinsam. Auch Besuch kommt vor: Vom Zahnarzt, Eltern, die ein Instrument vorstellen, ...

Besonderes
Im Kinderhausjahr finden zudem regelmäßig Ausflüge statt: ins Theater, auf den Markt, auf Spielplätze, zur Schusterin, ins Planetarium, zum Schlitten fahren...
Im Sommer gibt es seit einigen Jahren eine so genannte Waldheim-Woche: Die Kinder und Erzieherinnen verbringen ihre Tage dann im Evangelischen Waldheim im Lindental.
Einmal im Jahr übernachten die angehenden Schulkinder gemeinsam mit den Erziehern im Kinderhaus und machen auch eine gemeinsame Fahrradtour als Abschluss ihrer Kinderhauszeit.

Draußen-Tag
Von Frühjahr bis Herbst, aber auch bei schönem Winterwetter, haben wir abwechselnd zum Kochtag einen „Draußen-Tag“. An diesem Tag lernen die Kinder die Umgebung in Weilimdorf kennen und machen Ausflüge in den Wald, zu Spielplätzen oder auch in die öffentliche Bücherei am Löwenmarkt. Manchmal ist auch die Benutzung der U-Bahn für etwas weitere Ausflüge ein spannendes Erlebnis. Bei Schnee und Sonnenwetter dient und ein kleiner Hang im Lindental als Rodelbahn.